Final Frontier Memorandum

Hier ruht in Frieden die Final Frontier BBS

* 1. Mai 1993
† 1. Juni 1999

Die Zeiten werden vermutlich nicht wieder kommen, aber es wäre doch schade diese schöne Zeit zu vergessen. Vielleicht erinnern sich ja auch andere gerne an die Zeiten von RING, BUSY und NO CARRIER. An die OLMs, Diskussionen in der Message Base, stundenlange CHATs und erbitterte Kämpfe in den Online-Games ...

Nun überlege ich das Thema hier zu präsentieren, um etwas davon wieder lebendig werden zu lassen. Dazu versuche ich möglichst viele Seiten der Mailbox darzustellen. Angefangen von allgemeinen Informationen rund um das Thema Mailboxen, über Daten und Spezialitäten der Final Frontier bis zu Stories und Berichten aus der Message Base und von User Treffen.

 

Schnell wird mir klar: So einfach wird das nichts werden, wenn ich mich nicht noch mal einloggen kann. Da die Hardware größtenteils noch vorhanden ist, will ich versuche alles noch einmal zum Laufen zu bringen.

Nachdem der Mailbox-Rechner gut verpackt 5 Jahre geschlummert hat, war die Spannung beim Einschalten groß! Hatte die Hardware überlebt? Würde ich mich noch an das Sysop-Passwort erinnern können? Kannte ich noch die Befehle und mit welchen Fehlermeldungen musste ich nach dieser Zeit rechnen? ...

Als ich am 1.7.1999 die Mailbox stilllegte, hatte ich mir vorgenommen sie ab und zu wieder laufen zu lassen. Der Rechner wurde also nach Christo Art verhüllt und zusammen mit der anderen Amiga Hard- und Software im Keller "zwischen-gelagert". Über die Jahre diffundierte allerdings die Hardware in verschiedene Keller, hinter und unter viele Kisten, fast als wollte sie sich damit trotzig für immer zurückziehen.

Doch nach einigem stöbern waren die wichtigsten Teile wieder beieinander und der Aufbau konnte beginnen. Da bei der Suche auch viele andere Teile auftauchten, entschloss ich mich auch gleich meinen Amiga 500 aufzubauen, um später eine Basis zum Abspielen der alten Games und Demos zu haben, aber dazu an andere Stelle mehr ...

Dann kam der große Moment: Das Einschalten! Ich versuchte zunächst von einer Diskette zu booten, um die Mailbox-Skripts zu umgehen, die durch das falsche Systemdatum (wir erinnern uns: Year-2000-Bug) Harakiri begehen könnten. Ein sattes "Klack" vom Power-Knopf, gefolgt von einem sirrenden Pfeifen, dass langsam an Höhe gewann. "Er tut was .. JAAA!" Ich lauschte weiter ... dann: "kling-klong ... britt, britt" ... Die Serverfestplatte (2.9GB, 5 1/4Zoll, doppelte Bauhöhe) hatte nach ca. 90 Sekunden ihre endgültige Geschwindigkeit erreicht und war eingerastet. Daraufhin erwachte das Diskettenlaufwerk brummend zum Leben. Der Monitor zeigte ein völlig verzerrtes Bild im typischen Workbench grau.

Doch dann ... Brrrrrrrr, Brrrrrrrrr, Brrrrrrr .... Fehlermeldung. Die Diskette hatte eben noch im Amiga 500 problemlos gebootet. Auch Tests mit anderen Disketten schlugen fehl. An ein booten von Diskette war wohl nicht mehr zu denken. Also neuer Plan: booten von Festplatte und Bootskript schnell abbrechen damit das Datum geändert werden kann. Doch, ohne Diskette im Laufwerk blickte mich nur der Kickstart 2.0 Screen an. Hatte es doch eine Festplatte erwischt? So schnell wollte ich aber nicht aufgeben! Also ging ich frisch ans Werk und schraubte den Rechner auf. Trotz des großen Gehäuses des Amiga 3000T herrscht dort drangvolle Enge. Die drei Festplatten, das 5 1/4 Zoll Bandlaufwerk und die Porterweiterungskarten nehmen zusammen mit dem Kabelwust den ganzen Platz ein. Nun zerlegte ich also die Innereien, prüfte alle Kontakte und reinigte alle Bauteile in der Hoffnung dem Rechner damit wieder Leben einhauchen zu können. ...

Danach wieder die spannenden Sekunden bis die Serverplatte hochgefahren ist. Und dann ... "Er bootet .. GEIL!" ... PANIC! Wie hält man doch gleich die Skripts an? Achja ... CRTL-D ... richtig. Dann mit "time" Datum und Uhrzeit auf den 1.8.1999 eingestellt und neu gebootet. Für die Mailbox sollte also nur ein Monat seit der Stilllegung vergangen sein. Und tatsächlich startet alles völlig normal, als wäre dies ein völlig normaler Tag im Leben meiner Mailbox.

Glücklicherweise hatte ich die Mailbox so konfiguriert, dass der Sysop-Login von der Konsole durch einfaches drücken von TAB ohne Passwortabfrage erfolgte. An das Passwort kann ich mich nämlich beim besten Willen nicht mehr erinnern und aufschreiben tut man so etwas natürlich nicht. Das wäre ja viel zu gefährlich :)

Nun, was soll ich sagen, es funktioniert einfach alles. Die Daten sind noch alle vorhanden und sogar einige offenen Partien von Online-Spielen warten auf die nächsten Züge. Also werde ich die nächste Zeit damit verbringen interessante Informationen zu bergen und hier zu veröffentlichen ... 

Gresley, März 2004